Dienstag, 19. Januar 2010

Den Motor tunen...

 
Wie bekommt man mehr Kraft in den Antrieb eines Pferdes? Diese Frage stellt sich jeder Dressurreiter (oder auch Springreiter) und dreht tagtäglich hunderte Runden in der Reithallle. Er zwiebelt das Pferd mit Hand, Gerte und Sporen, damit es "auf´s Hinterbein" kommt. Meist ist es viel Kampf - Freude bereitet es beiden selten.

Da hat Natural Horsemanship so Einiges zu bieten, dass wesentlich leichter und effektiver zu realisieren ist. Nehmen wir beispielsweise die Hill-Therapie von Linda Parelli. Oder auch wunderbare Übungen von Karen Rohlf. Diese sind für jeden ambitionierten Reiter leicht umsetzbar.

Erreichen kann man viel, wenn man gewisse für den Muskelaufbau förderlich Bewegungsabläufe nur oft genug wiederholt. Schöner ist es jedoch, so sagt es die Philosophie des NH, wenn das Pferd "eigenständig an sich" arbeitet.


Bei der Hügel-Therapie wird hierfür ein Platz ausgewählt, der eine leichte Steigung enthält und wo das Pferd mit Tempo und Körperhaltung selbst experimentieren kann. Erst nur einige Minuten, im Laufe der nächsten Wochen immer etwas mehr. So kann sich eine wunderbare Wandlung einstellen, ohne das der Mensch viel eingreifen muss. Das Pferd lernt sich auszubalancieren, seinen Körper zu managen und nebenbei bekommt es Kraft und wird wesentlich elastischer. Das Wichtigste ist hierbei jedoch wirklich das "EIGENSTÄNDIGE", sich selbst als Reiter zurücknehmen und das Pferd schauen lassen, wo es hinlaufen soll. Das ist die eigentlich Herausforderung für den Menschen, der in der Regel lieber alles "kontrollieren" möchte - damit es auch funktioniert.

Wieso ist diese Vorgehensweise effektiver, als Musketraining auf herkömmliche Weise?
Bei NH steht die emotionale und mentale Fitness noch vor dem Körperlichen. Es besagt, dass solange der Kopf nicht entspannt ist, der Körper es nicht sein kann. Doch was sollen Emotionen damit zu tun, dass ein Pferd eine schlechte Haltung, schlechte Muskulatur, kurze, abgehackte, ungleiche Schritte macht und auch u.U. schon Skelett-Schäden aufweist?

Ein Pferd, das auf der Vorhand läuft, mit kurzen Schritten steif und abgehackt daher läuft, ist im Wesentlichen ein Pferd, welches sich fürchtet - entweder aufgrund neuer oder alter Angst (Angst vor der Umgebung, vor Schmerzen, vor Einschränkung, vor der Bahnpeitsche, dem Verlust der Herde, der Bewegung mit falscher Ausrüstung...). Es bedarf manches Mal nur einer winzigen Unstimmigkeit, dass die innere Unruhe hevorgerufen werden kann. Für den Menschen in keinster Weise nachvollziehbar.

Ich habe dies inzwischen selbst erlebt, dass wenn ich dem Pferd helfe, alte Ängste und Traumata loszuwerden, sich sein Rücken, seine Körperhaltung und die Schrittlänge sichtbar verbessern - und es verbessert sich oft sehr drastisch - innerhalb weniger Tage.

Ein Pferd ohne Angst... ist ein Pferd, das weiche, flüssige, rhythmische Schritte macht... ist ein Pferd mit einem aufgewölbten Rücken... und ist ein Pferd, dass sich selbst tragen kann - am leichten Zügel. Hierfür erfordert es keine Manipulation von Seiten des Reiters, das richtet die Natur ganz von allein ins rechte Licht.

Man sollte nie vergessen, dass das Fluchttier Pferd darauf programmiert ist, im Bruchteil einer Sekunde zu fliehen - dafür ist sein Körper geschaffen. Ist es in Alarmbereitschaft und sei es nur wegen eines leichten Unwohlseins, beispielsweise weil der Sattel drückt oder der Reiter nicht dem Bewegungsablauf gut folgt, dann ist der Körper schon in einem Spannungszustand. So kann es schwerlich gelöst werden... Somit sollte unser Augenmerk immer auch auf den emotionalen Zustand des Pferdes gerichtet sein.

Doch wie fängt man an? Es scheitert oftmals schon an der Basis. So sieht man häufig Pferde, die ohne Hilfszügel innerhalb der Gangarten das Tempo gar nicht beibehalten können - schon gar nicht in guter Haltung. Dies gilt für das freie Bewegen genauso, wie für das Reiten. Ohne Zügelkontrolle gibt es oft keine Balance. Hier muss dem Pferd immer die Möglichkeit des Ausprobierens gegeben werden, um langfristig den Körper gesund zu erhalten und eine sinnvolle Gymnastizierung zu gewährleisten.

PDF-Dokument zur Hilltherapie von Linda Parelli
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