Donnerstag, 28. Januar 2010

Fragestunde

 
"Wozu sollten wir Parelli machen? Wir haben ja keine Probleme mit unserem Pferd"

Einer der beliebtesten Sätze der Leute. Wenn ich ehrlich darauf antworten würde, hätte ich bald keine Freunde mehr...*g* Nun stellt sich die Frage, was darf man sagen? Wie formuliert man es so, dass der Gegenüber nicht eingeschnappt ist? Darf man sich herausnehmen, sich über andere zu stellen und zu behaupten, es besser zu wissen? Weiß man es überhaupt besser? Alles Dinge, die überlegt sein wollen.

Den Pferden möchte man gerne helfen und dafür auch Mühen auf sich nehmen. Nur wie macht man dies am effektivsten? Parelli sagt ganz klar:"Haltet Euch raus, lebt es stattdessen vor." Nur wie gesagt, viele merken ja noch nicht einmal, dass es anders gehen könnte. Soll man da einfach sagen, egal wenn sie nicht von selbst drauf kommen...



Eine lustige Episode fällt mir dazu ein. Eine liebe Freundin von mir hat immer schon großen Respekt vor ihrem eigenen Pferd. Das ging so weit, dass sie Angst hatte, es selbst auf die Weide zu bringen. Eigentlich war die Stute ganz brav, aber meine Freundin hatte sich nun mal in den Kopf gesetzt, dass es nicht so wäre. Wir waren schon eine Weile aktive Parellianer und im Zuge unseres täglichen Weideauf- und abtriebes mußten wir sieben unserer Pferdchen eine Straße herauf oder herunter bringen. Der Einfachheit halber wurde dies immer direkt in einem Schwung erledigt. Einer bekam vier, der andere drei Pferde und dann ging es los. Irgendwann war ich außer Gefecht und meine Freundin war gerade bei uns und sie bot sich an, zu helfen. Fortan machte sie dies ab und zu und marschierte fröhlich mit drei Pferden am Seil eine einspurige Straße herunter. Ich sprach sie darauf an, wieso sie so eine Mutprobe (die Strasse ist eng und es ist durchaus beeindruckend die Pferde hinter sich zu spüren, während sie in Reihe hinter einem her marschieren) locker schaffte und bei ihrem eigenen Pferd es gar nicht erst probierte. "Jaaaaa IHR habt ja auch Glück mit Euren, die sind ja auch alle so lieb! MEINE ist da ja GANZ anders." LOL

Ich habe den Eindruck, dass eine der größten Hürden darin bestehen, sich aus seiner Lethargie zu befreien und etwas aktiv zu tun - gegen Dinge, die man bisher als Unumstößlich angesehen hat oder vielleicht einfach so getan hat, als wären sie nicht zu ändern. Da lamentiert es sich leicht darüber, als "aktiv" zu werden und es zu ändern. Allein schon darüber nachzudenken ist anstrengend. Als NHler muss man viel denken - über sich, über das Pferd, über seine Umwelt, über alles mögliche. Sich selbst analysieren, seinen inneren Schweinehund überwinden. Ja ARBEITEN an sich selbst. Das ist mühsam.

Ich lese gerade ein interessantes Buch. Da geht es darum, sich selbst zu beobachten. Man soll herausfinden, wie oft man man über etwas jammert, wie oft man lästert, sich beklagt. Es ist erstaunlich, wie negativ die eigenen Gedanken sind, wie sehr man sich gehen läßt, wie bequem man es sich macht, um sich vor Verantwortung, vor Selbstkritik, vor Arbeit und vieles mehr zu drücken. Dieser Wandel, der in einem vorgehen muss ist schon riesig. WIE bekommt man einen Menschen dazu, so viel Energie aufzubringen, für ein Problem, dass er ja noch nicht mal als ein solches erkennt?

LG
Andrea