Der Unterschied vorher und nachher.
VOR NH wußte ich nicht, wie effektiv und energiesparend ich meinen Körper beim Reiten einsetzen kann. Schon beachtlich, wenn man überlegt, dass ich vor ca. 35 Jahren meine erste Reitstunde bekam...
Ok, durchleuchten wir das Ganze mal ein wenig intensiver. Irgendwann hatte ich das verstanden mit dem Sitz und dem Reiten, aber ganz vergessen habe ich noch nicht, wie schmerzhaft und langwierig das Lernen damals war und wie wenig Freude es eigentlich gemacht hatte sich durchzukämpfen.
Der Sitz des Englischreiters hat schon etwas statisches. Es wird dem Lernenden von Anfang an eine gewisse Spannung abverlangt. Zwangsläufig, da kann man kaum etwas gegen tun. Der Oberkörper soll gerade bleiben, die Schultern zurück. Aufrechtes Sitzen wird "kommandiert". Dieses Wort benutze ich bewußt, da mancher Reitunterricht dem Exerzieren auf einem Kasernenhof ähnlich ist. Manchem alten Hasen klingen bestimmt noch die Befehle aus früheren Zeiten in den Ohren:
"Absatz tief"
"GEEERRRRADEEEEE Sitzen"
"Schenkel RAN ans Pferd"
"und treiben, treiben, treiben"
KOOOPF HOOOOCH"
"Fußspitzen nach INNEN drehen"
"ZIEH ihn rum"
Die "natürliche " Geschmeidigkeit geht schnell verloren. Je nach Veranlagung plagt man sich in den ersten Monaten oder gar Jahren des Reiterlebens mit Stuhlsitz, Spaltsitz, hohen oder zu tiefen Händen u.v.m. herum - weil man einfach keine wirkliche Sitzposition finden kann, die angenehm zu sein scheint und den Reitlehrer endlich zum Schweigen bringen könnte. Immer wieder erwischt man sich dabei, wie man ohne es zu wollen die Luft anhält. Ich habe immer gerne kraftsparend nur dann "richtig" gesessen, wenn der Blick des Reitlehrers in meine Richtung schweifte. Ging ja immer schön der Reihe nach und war somit kalkulierbar. Ansonsten hieß es: "Durchhalten, auch wenn es noch so weh tut."
Neben Balanceproblemen muss der Reiter sich mit vielen anderen Sorgen herum plagen. Da gibt es eine Richtung, die einzuhalten ist. Ein Tempo dass es zu regulieren gibt. Zügel sollen in bestimmter Länge auf eine bestimmte Art gehalten werden und je weiter man kommt, desto mehr muss auch noch Einfluss auf die Haltung des Pferdes genommen werden.. Für das schwache Geschlecht wird es all zu häufig zum Kraftakt, hat man ein Pferd, dass "geritten werden will."
Erwähnt werden sollte auch noch, dass in der Regel das Pferd wenig Partner, sondern eher Gegner in dem ungleichen Spiel ist . Denn besonders leicht scheint es einem seine vielen zu bewältigenden Aufgaben nicht machen zu wollen...
Das sind eine Menge Dinge, die es unter einen Hut zu bringen gilt und ich habe sicher noch das Ein oder Andere vergessen. Ach ja, die anderen Reiter mit Pferd könnte ich noch erwähnen, auf die man achten soll und vielleicht die Hufschlagfiguren, die alle ihre speziellen Tücken haben...
Das war jetzt mal erst das VORHER.
Nach dem Englischreiten:
Kommen wir zu NH bzw. ich kann hier speziell nur von PNH erzählen, da ich hiervon gelernt habe.
Hier wird IMMER, egal um welche Aufgaben es sich handelt, versucht das große Ganze in kleiner Bestandteile zu zerlegen und diese nacheinander abzuarbeiten. Jedes für sich so lange, bis man es verinnerlicht hat und dann geht es auf zum Nächsten. Am Ende setzt man alles zusammen und hat eine leichte Abfolge, von kleinen sicher erlernten Teilschritten. Somit wird es für den Schüler erheblich leichter.
Neben dem einfacheren allgemeinen Lernen, welches ein Kapitel für sich ist, werden grundsätzlich einige der "Verantwortungen" zwischen Pferd und Reiter geteilt. Das Pferd kann dies schon vorbereitend am Boden erlernen. Es ist beispielsweise fortan für Tempo und Richtung selbst verantwortlich. Der Reiter gibt es vor und das Pferd hält beides so lange ein, bis der Reiter nach etwas anderem "fragt". So fällt "die Lenkung" weg und "das Treiben". Das ist sicherlich schwer vorstellbar, aber es funktioniert wunderbar. Hierzu kann man sich prima die Links mit den NH-Profis anschauen und mal bewußt schauen, wie schön ruhig sie ihre Schenkel halten können.
Der Zügelkontakt mit einem anstehenden Zügel (Finesse Reiten) findet erst dann das erste Mal statt, wenn es daran geht, die Haltung des Pferdes zu beeinflussen, also in einem fortgeschrittenen Stadium. Kein "Bremsen" auf bzw. mit der Hand ist nötig. Das Maul des Pferdes wird lange Zeit geschont. Bis dahin wird mit Knotenhalfter (im gesicherten Bereich) und langem Zügel geritten - und zwar so lange, bis man keine Probleme mit der Balance mehr hat.
Der Schenkel wird angelegt um Seitwärtsbewegungen auszuführen. Ansonsten wird das Vorwärts nur über das Energiemanagement im eigenen Körper geregelt.
Im Prinzip kann man es mit Reiten auf einem sehr hohen Level vergleichen, wo die Pferd/Reiterpaare perfekt auf einander eingestimmt erscheinen. Nur wird bei PNH hiermit direkt an der Basis begonnen und nicht erst, nachdem sich viele Probleme eingestellt haben, die schwer bis garnicht zu beheben sind.
Der Mensch lernt, sich seines Körpers bewußter zu werden. Mit einem Minimum an Energie "Berge" versetzen zu können. Sich selbst und das Pferd auf feinste Hilfengebung zu sensibilisieren.
Fortsetzung folgt...
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