Freitag, 19. Februar 2010

Geschenke bekommen 2. Teil

 

Vor ein paar Tagen hatte ich schon davon gesprochen, dass manche gute Veränderung ganz unverhofft kommt. Im Moment scheint bei uns die Zeit der Geschenke zu sein. Natürlich nehmen wir sie alle freudig an, nur mache ich mir auch Gedanken, wieso - wieso gerade jetzt und wieso von allen Seiten?

Irgend etwas verändert sich in der Truppe - es scheint fast so, als würden WIR uns verändern.


Unsere Pferde sind von ihrer Horsenality bunt gemischt.

Im Winter spielt sich der Großteil unseres aktiven Lebens in der Reithalle ab - beim morgendlichen Gemeinschaftsjogging mit Spieleinlagen vor- und nachher. Das bedeutet sieben Pferde unterschiedlichen Alters und Mentalität werden "laufengelassen". Wobei das gottseidank inzwischen nichts mehr mit dem Laufenlassen im herkömmlichen Sinne in Form von im Kreis herum scheuchen zu tun hat.

Nun sind die unterschiedlichsten Charaktere auch unterschiedlich belastbar und das unter einen Hut zu bekommen, ist eine Herausforderung. Der eine braucht nur wenig "Antrieb", der andere ist degegen von der gemütlichen Sorte...

Doch es gibt auch Vorteile. So konnten wir schon seit längerem beobachten, dass es einige Kandidaten gibt, die sich immer lieber dezent im Hintergrund halten und aus sicherer Entfernung beobachten. Ab und zu spricht man sie an, oft sind sie weggelaufen, inzwischen kommen sie aus freien Stücken und fragen nach ein paar Spieleinheiten. Was man hierbei total unterschätzt, ist wieder einmal der Zeitfaktor.

Hat man nur ein Pferd wird man zwangsläufig forcieren, das geht gar nicht anders. Unser mit Abstand schüchternster Wallach hat sicherlich zwei Winter gebraucht, bis er liberty aus freiem Willen bereit war, etwas mit uns zusammen zu tun... Wäre er Einzelpferd, hätte er da durch gemusst, weil niemand wartet freiwillig zwei Jahre, bis das Pferd von sich aus kommt...

Kiri kommt nun auch seit ein paar Wochen. Mit ihr Pauline, die immer das tut, was Kiri tut...

Doch die größte Überaschung sind unsere zwei Omis. Sie gehören nicht in diese Gruppe und werden von uns auch nicht PNH-mäßig bespielt - einfach aus Zeitgründen haben wir bei ihnen gesagt, dass wir sie nicht einschließen ins Spielprogramm. Natürlich gehen wir auf sie auch so zu, wie wir es von Parelli gelernt haben.

Sissi ist super skeptisch - extrem Rightbrain extrovert. Sie ist seit einigen Wochen wie ausgewechselt. Hätte man bei den anderen noch vermutet, dass sie durch Beobachtung in der Gruppe neue Schlüsse gezogen haben, sind diese beiden komplett isoliert. Sie können sich also nur auf das beziehen, was sie selbst erkennen - eine Veränderung! Eine Veränderung, die mir nicht auffällt, die aber offensichtlich da sein muss...

Michael Wanzenried war einmal bei uns und auf meine Klage hin, dass wir es vermissen würden, dass unsere Pferde gar nicht unsere Nähe suchen würden, wie man sich das erhoffte, sagte er:

"Glaubt Ihr im Ernst, sie bräuchten Euch?"

Wir schauten uns entsetzt an.

"Sie haben sich gegenseitig, Ihr habt ihnen durch Eure Haltungsbedingung einen seit vielen Jahren zusammengewachsenen, engen Familienverband ermöglicht, in dem Ihr nicht wichtig seit."

Das war natürlich hart, aber auch die Wahrheit. So ist vermutlich der Anspruch an uns und unser Horsemanship sehr hoch. Vielleicht nähern wir uns langsam an und dürfen deshalb inzwischen wenigstens ein wenig Teil der "Familie" sein.

"Dominieren" kann ich jedes Pferd nach Lust und Laune. Ich habe gelernt wie ich mich wo und wann bewegen muss (oder auch nicht *g*) und was es zu bedeuten hat, wenn das Pferd sich äußert, doch echtes Vertrauen kann man sich nur verdienen, da hilft auch keine noch so gute Technik. Bei uns hat es lange gedauert, aber ich hoffe, dass wir nun auf dem Weg sind...