Nun arbeite ich immer so fleißig an meiner "emotionalen Fitness", aber diese Woche war mir das einfach nicht mehr möglich. Dabei war ich in letzter Zeit sooo gut geworden und hab mich fast gar nicht mehr aufgeregt.
Die aktuelle Zeitschrift "St. Georg" war Anlass für meinen großen Ärger. Dort wurde ein Artikel zum Thema "Alternative Ausbilder" veröffentlicht, der mehr als unerfreulich war.
Die verantwortlichen Schreiberinnen ließen es sich nicht nehmen, im
Blog der St. Georg für ihren Artikel zu werben. Hier läßt sich erahnen, auf welch unhöfliche Art mit den genannten Personen umgegangen wird. Mit von der Partie waren Ausbilder wie Pat Parelli, Honza Blaha, Philippe Karl, Fritz Stahlecker, Monty Roberts, Bent Branderup, Anja Beran, Richard Hinrichs und viele mehr.
Nach Rücksprache mit meinem Mann waren wir uns einig, unser Abo umgehend zu kündigen und einen entsprechenden Kommentar mit auf die Reise zu schicken.
Nachdem der Brief nun abgeschickt ist, kehre ich zurück zu meinem inneren Frieden und freue mich, dass ich zukünftig ein paar Euro mehr übrig habe, für die ich meinen Pferden ein Säckchen Möhren spendieren kann.
Hier nun mein Leserbrief an die Zeitung St. Georg:
"Sehr geehrte Damen und Herrn
...
Unsere Kündigung hat einen ärgerlichen Hintergrund!
Leider haben mein Mann und ich feststellen müssen, dass Sie in der Ausgabe April 2010 einen sehr unschönen Bericht über alternative Ausbilder veröffentlichten. Wir sind seit langen Jahren treue Leser Ihrer Zeitung und schätzten Ihre offene, sachliche Art der Berichterstattung..
Hier nun waren wir mehr als enttäuscht! Dieser Artikel war in keinster Weise objektiv. Es reihte sich stattdessen eine ironische, ja sogar boshafte Bemerkung an die andere. Man hatte den Eindruck, man säße vor dem Bildschirm und lese gerade in einem Internetforum. Stammen dort auch die Informationen Ihrer Mitarbeiterinnen her? So kam es uns vor. Wieso wird so schlecht recherchiert? Hat sich da jemand rächen wollen, dem man vielleicht unsanft auf die Füße getreten hat? Will man ablenken von dem immer schlechter werdenden Image der Sportreiterei und ihren Auswüchsen?
Die genannten Personen gemeinsam in einen Topf zu werfen ist genauso unfair, wie ein Teil der Kritik an Ihnen. So etwas möchte ich nicht in einer guten Zeitschrift lesen und vor allem will ich dafür nicht zahlen müssen.
Natürlich muss man sich nicht in allem einig sein - denn wer ist schon 100%ig perfekt? Aber diese Art der Berichterstattung hat mir wirklich durch und durch den Tag verdorben und war alles andere als unterhaltsam! Dass man sich beispielsweise über dubiose, weit überteuerte Studiengänge ärgern muss, steht außer Frage, aber hier werden gute Ausbilder mit so etwas in einem Beitrag genannt. Einige dieser Ausbilder schätze ich sehr! Habe gute Dinge von ihnen lernen dürfen.
Ich kann Ihnen gerne etwas über unsere persönlichen Erfahrungen mit einem der alternativen Ausbilder erzählen.
Mein Mann und ich sind als Englischreiter mit Turniererfahrung in Dressur und Springen seit inzwischen 4 Jahren parallel auch aktive Parelli-Studenten. Dabei reicht meine Reiterfahrung schon 35 Jahre zurück, inkl. einer Zeit in der ich mich beruflich mit Pferden beschäftigt habe. Das bedeutet, dass unsere Erfahrungen über den „Freizeitreiter-Status“ hinaus ragen und ich schon beurteilen kann, ob mir jemand „etwas vom Pferd erzählen will“ oder nicht.
Trotzdem musste ich feststellen, dass ich noch sehr viel lernen konnte von diesem „Cowboy“, der sich ja angeblich nur an uns bereichern will. Und JA, das Meiste davon tatsächlich über das Lernsystem in Form von DVDs und Texten.
Und warum sind wir dort gelandet? Weil uns die ach so hoch gelobte deutsche Reitlehre mit unseren teuren, deutschen Zuchtprodukten und ihren alltäglichen Problemen nicht weiterhelfen konnte. Aber vor allem, weil wir einfach keine Lust mehr hatten, die Dinge als gegeben anzusehen, die uns nicht richtig vorkamen.
Dabei waren wir immer fleißige Reitschüler - haben so manchen Euro in Unterricht und Beritt investiert. Hierbei haben wir stets darauf geachtet, die besten Ausbilder unserer Region zu engagieren. Nur was Pferdepsychologie angeht, hat der gemeine FN-Reitlehrer sehr schnell seine Grenzen erreicht. Leider muss man dann viel zu oft feststellen, dass wenn das Wissen nicht ausreicht, die Gewalt Einzug hält und das Kommando übernimmt. Alternativ dazu wird einfach das Pferd ausgetauscht, wenn es nicht funktionieren will. Das war absolut nicht das, was wir wollten!
So kamen wir zu unserer ersten Lehr-DVD, durch die unsere Turnierpferde endlich um Einiges glücklicher wurden. Und nicht nur glücklicher - auch durchlässiger, ausgeglichener, freudiger bei der Arbeit, gesünder und vieles mehr.
Ich kann Ihnen mit Überzeugung sagen, dass wir noch nie so viel Freude an unserem Sport hatten und das geht nicht nur uns so, sondern vor allem auch unseren Pferden.
Wenn Ihre Schreiberinnen behaupten, an PNH wäre irgendetwas nicht seriös oder nicht erlernbar oder was auch immer, dann muss ich sagen, haben sie sich nicht wirklich damit beschäftigt. Sollte es nicht Voraussetzung sein, dass man zumindest ein wenig in die Materie hineinschaut, bevor man es auf diese Art und Weise angreift? Ich finde das sehr traurig, denn ich bin sicher, dass es vielen Reitern und Pferdebesitzern helfen könnte.
Vielleicht sollte man das Pferd mal von hinten aufzäumen und sich fragen, warum die Leute zu den Alternativen hinströmen! Das hat immer wieder den gleichen Grund – Frust, Frust und nochmal Frust.
Ich finde, Ihre Zeitung wäre genau die Richtige gewesen, sich dieses Problems ernsthaft und auf professionelle Weise anzunehmen! Und zwar aus der Sicht des ambitionierten Englischreiters, der mit so vielen Sorgen allein gelassen wird in seiner täglichen Bemühung um sein Pferd und dessen Bedürfnissen. Ich hoffe schon lange darauf, dass sich jemand damit auseinandersetzt, der in der Öffentlichkeit gehört wird. Doch nun ist genau das Gegenteil passiert! Schlimmer konnte es nicht kommen!
Muss ich doch langsam annehmen, dass auch hier nur dann offen und für das Pferd gesprochen wird, wenn es sich medienwirksam vermarkten lässt.
Schade, damit haben sie leider zwei bis hierher treue Leser verloren und man kann nur der Pferde wegen hoffen, dass sich jemand anderes findet, der erkennt, was dran ist an den alternativen Ausbildern und ihrem Versuch, uns „dummen“ Reitern das Geld aus der Nase zu ziehen.
Zum Schluss noch eins. Falls sich die Damen doch einmal ernsthaft mit der Sache beschäftigen wollen. Es gibt einige international hochrangige Reiter, die sich PNH zugewandt haben und dies auch öffentlich bekennen – vielleicht sogar gerne Rede und Antwort stehen würden, wenn man echtes Interesse bekunden würde. In anderen Ländern scheint ja die Bereitschaft, auch einmal über den Tellerrand zu schauen und sich selbst nicht für unfehlbar zu halten größer zu sein.
Diese Reiter findet man auch im Internet. Man muss sich also gar nicht viel mehr bemühen. Es sei denn, man will gar nichts Positives finden - dann übersieht man sie natürlich lieber und bezeichnet einfach andere als „Blender und Stümper“.
Karen Rohlf (amerik. Grand-Prix Dressurreiterin und -richterin)
David und Karen O´Conner (Olympiasiegerin und Weltmeisterin Vielseitigkeit)
Lauren Barwick (Olympiasiegerin bei den Paralympic 2008 mit einem PNH-ausgebildeten Pferd)
Luis Lucio (spanischer Dressurreiter und Olympiateilnehmer)
Luca Moneta (italienischer Grand-Prix Springreiter)
Würden Sie über diese Menschen auch so schlecht urteilen? Das würde mich wirklich interessieren.
Mit freundlichen Grüßen
Andrea Eickenberg"
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen