Mittwoch, 5. Mai 2010

Leadership - igitt wie unangenehm!

 

Bin wieder da - mit vielen neuen Erkenntnissen.

Erstmal war ich heute erfolgreich und ich weiß dass ich eine Pfeife bin. Ok, darüber will ich jetzt nicht weiter reden.

Manchmal frage ich mich nur, ob es eigentlich anderen auch so geht. Ich merke immer mehr, dass mir das Leader sein gar nicht wirklich liegt, dass es eher eine äußerst unbequeme Angelegenheit ist, die ich eigentlich viel lieber nicht tun würde... klar, dass Bubble mir nicht glaubt! Ich würde es bei mir selbst ja nicht mal tun.

Leader sein ist einfach total lästig! Man muss alles wissen und alles erahnen - möglichst schon, bevor es passiert. Man muss rasend schnell sein, man muss immer und zu jeder Zeit "da" sein. Dabei noch überlegen tun. Puuuuhhhh!! Und das bei uns für direkt ne ganze Herde!

Was sagte Ralf letztens so schön? "Du willst nicht nur so denken und handeln wie ein Pferd- nein, Du willst auch noch so denken und handeln wie der Leader Deines Pferdes."

Na dankeschön!!!!! Im nächsten Leben werde ich Briefmarken sammeln!


Stressig wurde es heute schon bevor wir überhaupt losgegangen sind. Schon zu Hause verweigerte er den Dienst. Hatte er das gestrige Ereignis natürlich nicht vergessen und wollte schlicht und ergreifend heute lieber mal zu Hause bleiben.

Ok, dann habe ich das Beschäftigungsprogramm sofort von dort gestartet. Sideways zum Platz über Stock und Stein. Mein Problem, es fühlt sich einfach gruselig an und es tut mir unendlich leid. Beide Lolli und Bubble fangen direkt an zu prusten und sich anzustellen und vermitteln mir das Gefühl, ich würde sie nötigen. Dementsprechend "beeinflusst" mich das schon in meinem Handeln. Ich dachte dann so bei mir, eigentlich musst Du Dir nichts vorwerfen, es ist doch "nur" Sideways und kein Grund, mir ein schlechtes Gewissen einzuimpfen. So ging es auf dem Platz weiter. Meine Idee, dass ich nur was am Zaun mache, hatte ich schnell beiseite gelegt, da ich irgendwie heute nicht einsehen wollte, dass wir nur wegen seiner Spinnereien irgendwas nicht könnten...

Ich also mitten auf den Platz und habe ihn beschäftigt. Hier und da und dort hin, alles mit Gegenständen und Pattern. Rausgelassen habe ich ihn nur auf halbe Seillänge. So konnte er nicht verduften... Seine Strategie bestand vorallem darin, einfach nur halb bei mir zu sein. Sachen wurden umgeworfen, die HH ging nicht richtig weg und und und. Alles war interessanter, ich wurde nur nebenbei beachtet, wenn überhaupt.

Sobald ich etwas Druck aufbaute, zog er am Seil nach außen, denn dann war ich ja wieder böse zu ihm. Und er blieb immer in Fluchtposition, solange die Vorhand nicht wirklich auf mich ausgerichtet war! Irgendwann bekam ich einen Hass und hab mal nach ein bißchen Schulterkontrolle gefragt, worauf ER wieder behauptete, ich würde ihm was antun wollen - was ich ja auch tatsächlich fast vor hatte. Dann habe ich so bei mir gedacht - OK Schulterkontrolle ist ja richtig, aber lass Dich nicht veräppeln, es ist NUR Schulterkontrolle. Du bist nicht böse und machst nur Dein Ding. HH haben wir dann auch etliche Male ordentlich und komplett versteckt - wirklich komplett, bis aufs letzte Häärchen!!! Das war gar nicht so einfach bei ihm, weil er nämlich irgendwie immer einen Trick fand, sich so zu "verschieben" dass es doch wieder nicht richtig war. Erst als ich ihm die Vorhand strengstens fixierte, gab er klein bei. Er ist wirklich so gerissen!

Dann kam nochmal richtig Stress auf, weil Pferde vorbei gingen und ich habe noch mal richtig Gas gegeben und hab ihn wirklich ernsthaft vor mir her geschickt. Ich musste sogar meine Phase 4 "effektiver" werden lassen, damit ich eine akzeptable Antwort bekam - und dann auf einmal war´s geschafft. Ich hab immer nur gedacht, mein Gott wie furchtbar, aber Hauptsache Du bleibst ruhig und lässt Dir nicht einreden, dass Du böse bist.

Ich bin einfach viel zu weich für sowas. Wir bekommen eingeimpft auf jede Gemütsregung zu achten, immer schön Friendlygame zu machen, bloß nie zu viel, damit die Motivation erhalten bleibt und durch und durch ihr Freund zu sein. Nur das ist alles ein wenig anders. Das ist wie auf nem Schlachtfeld, wo nur das Überleben zählt und nicht auf Kleinigkeiten geachtet werden kann. *gggg*

Mann. mann, mann! Ich frage mich wirklich, wie andere das hinbekommen. Ich kenne so viele Frauen, die noch viel weicher sind als ich und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die so über den Platz stampfen, wie ich das heute machen musste.

Am Ende war er so soft, dass er mir sogar noch ein wunderbares Galöppchen geschenkt hat und wir sind fröhlichst und höchst zufrieden nach Hause geschlendert. Nun gut, heften wir das mal unter wichtige Erkenntnisse ab und schauen weiter.

Noch mal für mich:
Es war ein Wechselspiel zwischen Desensibilisieren und Sensibilisieren. Bisher habe ich mich oft von dem Theater beeindrucken lassen und habe meine Energie angepasst, da ja sonst das hysterische Pferd NOCH hysterischer wurde, wenn ich etwas nachhaltiger angefragt habe. Heute hatte ich noch die letzte DVD im Kopf, wo Pat das Send für´s CG jedesmal nachdrücklich mit einem dreifachen Seilklatschen unterstützte. Rhytmus ist gefragt, deshalb mehr als ein Mal. Also habe ich das heute auch so gemacht. Mein Raum "gesichert" und das ohne Rücksicht auf den zappelnden Bubble. Wenn Überreaktionen kamen auf mein Stöckchen gab´s ein kurzes Extrem Friendly Game und dann ging´s weiter.

Und - ganz präzise seine Füße bewegt, exakt so, wie ich es wollte. Punkt aus! Ich habe nicht lange gewartet, ob das Pferdchen vielleicht so nett ist und leckt - sobald er wieder herum guckte, ging es weiter.... vielleicht war das heute irgendwie überzeugender - ich weiß es nicht...